Von Eva Seewald,
Mitglied in der LÖWENMAUL-Redaktion

Endlich: In diesem Jahr konnte ich mir einen lang ersehnten Traum erfüllen und drei Monate auf dem afrikanischen Kontinent verbringen – zwischen Masterstudium und meiner Promotion hatte ich die Gelegenheit, ein Praktikum bei der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Namibia zu absolvieren. Aufgrund meines Studienschwerpunktes auf Entwicklungsländer war das ein wichtiger Schritt in Richtung Berufstätigkeit.

Bevor mein Abenteuer starten konnte, mussten jedoch zunächst einige Formalien geklärt werden, denn die Visumsvorbereitungen für einen befristeten Aufenthaltstitel in Namibia sind nicht zu unterschätzen – drei bis vier Monate sollte man einplanen. Der Antrag umfasst viele Seiten und erfordert unter anderem ein beglaubigtes und in das Englische übersetzte Führungszeugnis, diverse ärztliche Untersuchungen und eine Bürgschaft für den Fall einer Abschiebung. Erstmal beantragt, dauert es weitere rund drei Monate, bis das namibische Innenministerium mit der Bearbeitung durch ist. Letztendlich bin ich vorerst mit einem Touristenvisum eingereist, das jeder ohne große Probleme bei der Einreise erhält, und vor Ort noch einige Male beim Innenministerium gewesen. Zum Glück war das Ministerium fußläufig vom Sitz der KAS aus zu erreichen.

Meine Reise in das ferne Namibia begann im Juli – 9.000 Kilometer von der Heimat entfernt, im tiefsten afrikanischen Winter. Bei tagsüber um die 25 Grad Celsius lässt es sich allerdings gut leben. Kuschliger wird es nachts: Im Winter geht die Sonne bereits um 18 Uhr unter und es kühlt bis unter den Gefrierpunkt ab. Später im Laufe meiner Reise nach Namibia wurden die Tage länger und die Temperaturen gingen im September bis an die 35-Grad-Grenze. Die Beständigkeit des Wetters werde ich vermissen.

Einladung zu traditioneller Ovambo-Hochzeit

Neben der Arbeit bei der KAS Namibia und Angola (das Büro in Windhoek ist auch für Angola zuständig) hatte ich genügend Zeit, um Land und Leute besser kennen zu lernen. Leute lernt man in Namibia aufgrund ihrer Aufgeschlossenheit und Herzlichkeit sehr schnell kennen und lieben. So wurde ich bereits nach zwei Wochen auf eine traditionelle Ovambo-Hochzeit eingeladen – ihre Sprache, Oshivambo, wird von rund 60 Prozent der namibischen Bevölkerung gesprochen. Die Hochzeitsfeierlichkeiten begannen Freitagmorgens mit der Trauung in der Kirche, Namibia ist christlich geprägt, und wurden im Anschluss im Hause der Braut fortgesetzt. Am Samstag wechselte die Feier in das Anwesen der Familie des Bräutigams, wo die Braut feierlich willkommen geheißen wurde. In der Tradition der Ovambos zieht die Braut am Tage der Hochzeit in das Anwesen des Bräutigams und wird somit quasi von ihrer Familie an die neue Familie „übergeben“, auch wenn das Paar schon einige Jahre zusammen ist. Ich wurde von der Hochzeitsgesellschaft sehr herzlich aufgenommen und jeder wollte unbedingt ein Foto mit mir machen, da ich mir ein traditionelles Outfit zugelegt hatte. Es war ein sehr schönes, aber auch anstrengendes Wochenende mit vielen neuen Eindrücken, die ich mir gut bewahren werde.

Campen in der westafrikanischen Trockenwüste Namib

Natürlich bietet Namibia auch eine atemberaubende Natur und Tierwelt. Neben Ausflügen nach Etosha, dem größten Nationalpark Namibias, und in die Namib, der ältesten Wüste der Welt, haben wir auch den Süden Namibias und andere kleinere Ziele besucht. Immer dabei: Die Campingausrüstung, auch wenn es sich tatsächlich wunderbar unter freiem Himmel schlafen lässt – und der Sternenhimmel an sich eine Reise wert ist. Eine Nacht auf dem Campingplatz kostet umgerechnet zehn bis zwölf Euro, im Gegensatz zu mindestens 60 Euro in einer Lodge. Campen kann auch gar nicht so ungemütlich und feucht wie in Deutschland sein, da die Luftfeuchtigkeit in Namibia um ein vielfaches geringer ist als in Deutschland.

<code> Mein Fazit: Die Reise nach Namibia war aller Mühe wert und ich kann sie jedem nur empfehlen. Übrigens: Jeder Reiseführer, der behauptet, dass es in Windhoek kein Nachtleben gebe, hat keine Ahnung!
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