Studieren im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Von Marlene Krüger, Geschäftsführerin der Jungen Union Kriftel

Seit September lebe ich nun schon in Somerville, Massachusetts. Meine Ankunft war dank einer Evakuierung des Terminals am Frankfurter Flughafen und dementsprechender Verspätung sowie Gepäckverlust ganz anders als geplant. Seitdem ging es zum Glück stetig bergauf. Ich studiere an der Lesley University in Cambridge. Die kleine Stadt neben Boston ist den meisten wahrscheinlich nur durch die Ivy-League-Universität Harvard bekannt, deren Campus an den Campus meiner Universität grenzt.

Aktive Mitgestaltung der Seminarinhalte

Lesley ist eine Hochschule mit Fokus auf Kreativität, Innovation und dem aktiven Lehren und Lernen – traditionelle Vorlesungen mit über 100 Studenten sucht man hier vergebens. Alle Veranstaltungen sind als Seminare aufgebaut, es gibt maximal 25 Seminarteilnehmer und die Beteiligung an den Seminarinhalten wird benotet. Dieses System war für mich in den ersten Wochen sehr ungewohnt und auch jetzt muss ich mich teilweise noch dazu überwinden, Fragen zu stellen, Fragen zu beantworten und meine Meinung zu äußern. Die aktive Mitgestaltung der Seminarinhalte ermöglicht, besonders in den bildungswissenschaftlichen Veranstaltungen, einen individuellen Fokus. Die kleinen Seminargruppen erlauben einen persönlichen Kontakt zu den Dozenten und eine konstruktive Arbeitsatmosphäre.

Kunterbuntes Hochschulleben

Der größte Teil des Privatlebens amerikanischer Studenten findet an der Universität statt. Die Mehrheit meiner Kommilitonen lebt auf dem Campus – hier findet man ein Fitnessstudio, Tanzsäle, Pianos, Lesesäle, Mensen, Büchereien, Aufenthaltsräume, den Sicherheitsdienst und eine Krankenschwester. Es werden unterschiedliche Sportarten angeboten und man kann über 50 Clubs und Organisationen beitreten. Jedes Wochenende finden Filmvorführungen, Lesungen oder Konzerte statt. Im November fand zum Beispiel ein „De-Stress Day“ statt. An diesem Tag konnte man mit Hunden schmusen, Sukkulenten pflanzen und sich massieren lassen, um dem Unialltag und den Hausarbeiten für einige Minuten zu entkommen. Ich bin regelmäßig begeistert, wie wichtig es der Hochschule ist, dass sich ihre Studenten wohlfühlen. Es gibt ein kostenloses Nachhilfezentrum für akademische Förderung, ein Beratungszentrum für persönliche Belange und ein Bewerbungstraining inklusive Jobberatung. Die Semestergebühren sind entsprechend dem Wohlfühlpaket angepasst, dennoch fühle ich mich in dem kunterbunten Unialltag pudelwohl.

Cambridge und Boston

Boston kann man sich wie ein kleines New York vorstellen, nur viel entspannter. In Boston ticken die Uhren langsamer. In der Innenstadt rund um Faneuil Hall, Quincy Market und dem State House gibt es immer etwas zu bestaunen – Musiker, Straßenkünstler oder Tanzgruppen. Wenn man dem Trubel entkommen will, lohnt sich ein Besuch in der Public Library. Dort sieht es ein bisschen so aus wie in Harry Potters Hogwarts – hier kann man in Ruhe Hausarbeiten schreiben oder lesen. Direkt daneben findet man Boston Commons, einen öffentlichen Park, der im Sommer zum Picknicken und Frisbee spielen begeistert und zur Weihnachtszeit herrlich geschmückt ist. Ein kurzer Spaziergang führt zu Public Garden, der zum Herumschlendern und Entspannen einlädt. In Chinatown gibt es leckeres und authentisches Essen sowie Souvenirs, in Beacon Hill befinden sich kleine Cafés und Restaurants. Shoppen geht man am besten in der Nähe der Newbury Street. Cambridge liegt etwa eine Viertelstunde außerhalb der Innenstadt. Hier sollte man an einer Führung durch Harvard teilnehmen. Die Gebäude der Eliteuniversität sind beeindruckend und die Traditionen und Legenden sollte man sich nicht entgehen lassen. Ich sitze bei schönem Wetter gerne mit einem Buch und einem Kaffee im Harvard Yard und lasse mich von der Stimmung mitreißen und inspirieren. Ich habe mich in den letzten Monaten in Cambridge, Boston und meine Universität verliebt und freue mich auf weitere spannende Monate in den USA. Ich hoffe, noch vieles lernen und mitnehmen zu können. Zudem bin ich darauf gespannt, die ersten Monate und Veränderungen mit Donald Trump als neuer U.S.-Präsident live mitzuerleben.

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