Irgendwie ist es verrückt: Einen ganzen Tag auf dem Rad verbringen, von München über Frankfurt bis nach Berlin, rund 950 Kilometer, non-stop. Was für manche nach einem schlechten Traum klingt, ist für junge Radfahrer aus Mittelhessen jedes Jahr Realität: Sie trotzen einmal im Jahr der Strapazen, um kranken Kindern etwas Gutes zu tun.

Die Aktion „Kilometer gegen Krebs“ wurde im Frühjahr 2015 ins Leben gerufen. Antriebsfeder für die Initiatoren war ein Freund in ihrem Umfeld, der an Krebs erkrankte. Allesamt waren sie leidenschaftliche Radfahrer und wollten in der Not gemeinsam etwas Gutes tun. Also schrieben sie Spendenbriefe und fuhren als Spendenaktion vom Pohlheimer Wiesenfest ins 450 Kilometer entfernte Hamburg. Als sei dieser Einsatz noch nicht genug, liefen einige am nächsten Tag noch den Hamburg Marathon, in unter vier Stunden.

Seitdem hat sich "Kilometer gegen Krebs" etabliert: Prominente treten als Förderer auf, die Medien begleiten das Projekt öffentlichkeitswirksam und seit letztem Jahr unterstützt ein Sponsor das inzwischen sechsköpfige Team. Aus den 450 Kilometern im ersten Jahr wurden in 2016 750 Kilometer von Hungen in die Nähe von Lyon (Frankreich) und zuletzt 950 Kilometer, die passend zum damaligen DFB-Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt mit einer Trikotsignierung verbunden wurde. Das Team hat noch lange nicht genug: Jedes Jahr soll die Kilometerzahl steigen. Für solche Ultra-Marathonfahrten ist eine aufwändige Vorbereitung notwendig: Neben dem regelmäßigen Training auf dem Rad gehören zum Team inzwischen auch zwei Organisatoren, die die Strecke planen, ein Auge auf die Finanzen und das Marketing haben. Daher fahren auch nicht alle Teammitglieder mit dem Rad – genauso wichtig ist das Begleitfahrzeug geworden, das sich um Navigation und Streckenverpflegung kümmert. Die Auswahl der Radfahrer ist handverlesen: Bei so langen Strecken, erzählt Sportdirektor Stephan Sieber, müsse man ein erfahrener Sportler sein. Man nehme nur jene mit, die man gut genug kenne, ansonsten sei das Risiko einfach viel zu groß.

"Kilometer gegen Krebs" möchte weiter wachsen. Für nächstes Jahr ist eine Hessenrundfahrt geplant, mit Zwischenstopps inklusive Nudelessen etwa alle zwei Stunden an ausgewählten Hotspots. An den Hotspots möchte das Team mit der lokalen Politik und lokalen Unterstützern ins Gespräch kommen, um auf die Aktion aufmerksam zu machen. Bislang gingen die Spendeneinnahmen, zuletzt rund 5.000 Euro pro Jahr, zugunsten der „Tour der Hoffnung“, die die Kinderkrebshilfe unterstützt. Man kann sich allerdings auch gut vorstellen, die Spenden zukünftig direkt an lokale Kinderhospize oder ähnliche Einrichtungen zu verteilen. Wer „Kilometer gegen Krebs“ unterstützen möchte, kann dies das ganze Jahr tun und entweder eine direkte Spende zugunsten der Krebshilfe leisten oder über ein separates Spendenkonto die Initiatoren unterstützen, die jedes Jahr einen hohen Eigenbeitrag in das Projekt stecken, um die Ultra-Marathonfahrten umsetzen zu können.

Bild: Auf dem Rad (v. l.): Adrian Koch, JU-Mitglied Florian Vornlocher aus Gießen und Pascal Dörr.
Fotograf: Stephan Sieber

Mehr Infos: Weitere Informationen zum Projekt und den jährlichen Touren gibt es auf der Facebook-Seite der Initiatoren, unter: http://facebook.com/KilometerGegenKrebs

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