„Politisch zu sein und dabei konservative Grundwerte zu vertreten, hat nichts mit der Religion zu tun“, sagt der 18-jährige Baran. Seit etwas mehr als einem Jahr engagiert sich der Schüler in der JU Frankfurt Ost und der Schüler Union Frankfurt. Er ist Muslim und hat das Klischee, dass Muslime eher zur Grünen Jugend oder zu den Jusos tendieren, mehr als einmal gehört. „Mein Weg in die JU war kein spezifischer. Meine Entscheidung, Mitglied zu werden, war eine rational-logische. Aktuelle Themen sind mir zwar auch wichtig, aber man sollte meiner Meinung nach eher das Ganze sehen. Und das konservative Grundgerüst der JU entspricht meinen Vorstellungen und Ideen“, sagt Baran.

Christen und Muslime zusammen

Dennoch lasse sich wirklich nicht von der Hand weisen, dass, wenn sich junge Muslime engagieren, diese sich eher bei linkeren Parteien und Jugendorganisationen einbringen. Warum das so ist, darauf hat der Sohn türkischer Eltern eine Antwort: „Viele der hier in Deutschland lebenden Muslime kommen aus der Arbeiterschicht und orientieren sich dann bei denen für sie scheinbar an ihren Vorstellungen näher stehenden Parteien.“ Dies wirke sich sogar auf diejenigen aus, die eigentlich hier in Deutschland geboren sind. Baran, der alevitischer Muslim ist, kennt diese Orientierung aus seiner eigenen Familie. Während für seine Mutter die Entscheidung für die JU kein sonderliches Problem darstellte, war sein Vater eher enttäuscht. „Negative Reaktionen auf meine Entscheidung, in die JU einzutreten, habe ich kaum erlebt. Mein Vater sieht sich politisch eher links, deshalb hätte er mich natürlich auch lieber in dieser politischen Richtung gesehen“, erzählt Baran. Doch damit könne er sich nicht identifizieren und die JU habe ihn eben auch sehr offen aufgenommen. „Ich denke diese Offenheit gegenüber allen Religionen hat aber auch viel mit Frankfurt an sich zu tun. Hier ist man die Mischung aller Religionen gewöhnt“, sagt Baran, der in Offenbach geboren wurde. Gerade hier könne die Mutterpartei CDU noch einiges lernen. Ihm ist es deshalb wichtig, dass die Kommunikation zwischen Muslimen und Christen innerhalb der Partei hergestellt wird. „Wichtig ist, dass wir anfangen voneinander zu lernen und dies auf beiden Seiten. Schlussendlich kann das allen etwas für das gemeinsame Ziel bringen“, so Baran. Ihn stört die oft negative Darstellung von Muslimen in den Medien, denn von der Glaubensrichtung die dort oftmals präsentiert wird, habe auch er große Angst.

Eine Organisation, wie die in Köln kürzlich gegründete „Muslime in der Union“, sieht er eher kritisch. „Was uns politische Christen, Muslime oder sonst einer Religion anhängig vereinen sollte, ist die politische Idee, der Konservatismus und das gelingt nur, wenn alle die demokratischen Grundsätze hochhalten“, sagt Baran.

Konservative unserer Generation

„Wir müssen als JU zeigen, dass, egal welche Religion wir haben, wir die Konservativen unserer Generation sind und das Konservativsein nichts mit alt und verstaubt zu tun hat, sondern auch viele moderne Aspekte beinhaltet. Konservatismus ist für mich auch eine Zukunftsplanung, die ihre Energie aus Wissen und Tradition schöpft“, sagt Baran. Sich politisch zu engagieren heißt für den Schüler Verantwortung zu übernehmen. „Ich bin Alevit, so bin ich aufgewachsen. Und das ist natürlich auch meine Identität. Deshalb spielt Religion eben auch eine wichtige Rolle“, erklärt Baran. Ihm ist wichtig, dass man in der politischen Gemeinschaft, wo jeder auch unterschiedliche Lebenswege und Ideen hat, gemeinsame Werte formuliert. „Ich bin froh, Teil der JU und SU zu sein und mich hier einsetzen zu können“, sagt der 18-Jährige abschließend.

Von Vanessa Verena Wahlig, LÖWENMAUL-Reporterin

Baran Fakir, 18 Jahre, ist seit einem Jahr Mitglied der JU und engagiert sich in der Schüler Union Frankfurt. Er ist Muslim (Alevit) und kennt sowohl die deutsche Politik als auch die türkische Politik. Für drei Jahre lebte er in Istanbul, wo er auch zur Schule ging. In seiner Freizeit interessiert er sich für Geschichte, Philosophie und Religionen.

 

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