Auslandserfahrung im nordeuropäischen Finnland

Von Jan Hermann, Mitglied im JU-Landesvorstand

Als ich meiner Familie und meinen Freunden im vergangenen Frühjahr mitgeteilt habe, dass ich mein Auslandssemester in Finnland verbringen möchte, drückten mir einige ihre Verwunderung aus – andere ihr Bedauern. Schließlich ging es nicht etwa um Helsinki, sondern um Oulu. Das liegt etwa 600 Kilometer nördlich von der finnischen Hauptstadt. Und dann auch noch im Winter! Also: Wenig bis kein Sonnenschein, dafür Temperaturen von bis zu 30 Grad – im Minus. Da mich der hohe Norden aber schon immer gereizt hat, ich ein Abenteuer suchte und, wie so oft, eine ‚Ach, das wird schon werden‘-Haltung an den Tag legte, ließ ich mich von meinem Vorhaben auch nicht mehr abbringen. Und jetzt, in der Retrospektive, kann ich sagen, dass die fünf Monate in Oulu sicher die beste Entscheidung des letzten Jahres waren.

Interrail-Trip durch halb Skandinavien bis nach Oulu

Aber fangen wir von vorne an. Am Anfang stand die Reise. Oulu ist schließlich nicht gerade ein Katzensprung: Rund 2.000 Kilometer Luftlinie trennen die Mainmetropole Frankfurt und die nördlichste Großstadt der europäischen Union. Diese wollte ich nicht mit dem Flugzeug bewältigen, sondern nutzte die Reise als Anlass für einen längeren Interrail-Trip durch Skandinavien. Über zwei Wochen bereiste ich Dänemark, Schweden und Norwegen. Den Höhepunkt des Trips bildeten mehrere Tage auf den Lofoten, einer Inselgruppe im Norden Norwegens. Ausläufer des Golfstroms sorgen für ein ausgesprochen warmes Klima auf den etwa 80 Inseln – überraschend mild, bedenkt man, dass man sich auf den Lofoten bereits nördlich des Polarkreises befindet. Und selbst Reisende, die Naturschauspielen normalerweise nicht viel abgewinnen können, würden die Landschaft dort zumindest als beeindruckend bezeichnen. Direkt hinter den kristallklaren Buchten erheben sich die auch im Sommer zum Teil mit Schnee bedeckten Gipfel, abends weht ein lauer Föhn von der Küste her und im Winter belohnen Nordlichter all jene, die es draußen aushalten.

Von den Lofoten ging es dann schließlich via Zug und klapprigem Reisebus über Schweden in das unbekannte Finnland. Schnell wurde mir dort bewusst, dass es mit meinem Plan, einigermaßen solide Finnisch zu lernen, nichts werden würde. Dazu ist die finnische Sprache zu komplex, ich zu ungeduldig und das Englisch der meisten Finnen zu gut – Verständigungsprobleme gab es eigentlich keine.

Beeindruckende Fjorde und Klippen

Natürlich ist der Sinn eines solchen Auslandssemesters neben dem kulturellen Austausch vor allem das Studium. Ebenjenes werde ich hier aber vernachlässigen, denn vielmehr als die erfrischenden Stunden in Bibliothek und im Hörsaal haben die vielen Reisen und Menschen die Zeit dort oben so unvergesslich gemacht. Da ich das Glück hatte, äußerst schnell einigereiselustige Gefährten zu finden, ging es nach nur einer Woche in Oulu erstmal wieder auf Achse – nach Kilpisjärvi. Ganz im Nordwesten Finnlands gelegen ist der kleine Ort Anlaufstelle für viele Wanderer. Im Herzen Lapplands und an der Grenze zu Schweden und Norwegen gelegen, stellt Kilpisjärvi den letzten Vorposten der Zivilisation vor der unendlichen Weite der Tundra dar, die für Teile Lapplands so charakteristisch ist. Von dort aus trieb es uns weiter nach Skibotn in Norwegen. Nur 50 Kilometer nördlich von Kilpisjärvi gelegen, weicht die Tundra schnell den beeindruckenden Klippen des Lyngenfiords. Die nächste Reise führte nach Osten in Ruka, nahe dem Oulanka Nationalpark. Erholsame Tage vor dem Kaminfeuer oder in der Sauna wechselten sich ab mit ausgedehnten Wanderungen entlang unzähliger Seen und durch Nadelwälder. Ruka hinterließ einen solchen Eindruck, dass ich noch zweimal dorthin zurückkehren sollte.

Die größte Reise führte über Inari im Osten Lapplands an das Nordkap in Norwegen, dem, wie der Name schon erahnen lässt, nördlichsten Punkt des europäischen Festlands. Mehr wäre vermutlich in den Monaten dort nicht drin gewesen. Ich bin Hundeschlitten gefahren, habe den Weihnachtsmann in Rovaniemi besucht, Nordlichter gesehen, bin im Nordmeer geschwommen und habe die Ruka-Meile absolviert. Was es damit auf sich hat, erkläre ich gerne mal unter vier Augen.

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