Von Patrizia Pracht, Mitglied im Bezirksvorstand der Jungen Union Mittelhessen

Da ich Zahnmedizin studiere und wir nicht am universitären Erasmus-Programm teilnehmen können, entschied ich mich, alternativ ein Erasmus-Praktikum zu absolvieren. Dies ermöglichte mir, während des Studiums einen längeren Auslandsaufenthalt einzubauen. So lebte ich von September 2015 bis März 2016 in Dublin, Irland, und arbeitete dort in der Zahnarztpraxis Portobello Dental Clinic.

Mobil mit dem Fahrrad unterwegs

Während der Zimmersuche folgte der erste Schock: Ich wusste zwar, dass der Wohnungsmarkt in Dublin angespannt war, doch, dass geteilte Doppelzimmer in der Innenstadt bei mindestens 500 Euro pro Person liegen, hätte ich nicht vermutet. Trotzdem fand ich ein schönes Zimmer zur Untermiete. Durch mein gekauftes Fahrrad war ich schnell in Dublin mobil und gewöhnte mich an den Linksverkehr und die rasante Fahrweise der Iren. Warnweste und Helm waren dabei meine stätigen Begleiter, denn der Kampf gegen gestresste Taxifahrer und Doppeldeckerbusse wäre sonst noch gefährlicher gewesen.

„Während der Zimmersuche folgte der erste Schock.“

Das Gesundheitswesen ist in Irland anders aufgebaut als in Deutschland. Es beruht fast ausschließlich auf privater Abrechnung der Behandlungskosten. An diesen Umstand musste ich mich erst gewöhnen, da Geldmangel eine nicht optimale Zahnversorgung verursachen kann. So werden in der Praxis zum Beispiel Zähne gezogen, wenn der Patient das Geld für eine benötigte Wurzelkanalbehandlung nicht investieren will oder kann. Gleichzeitig führten wir bei wohlhabenden Patienten viele ästhetische Behandlungen in vierstelliger Höhe durch.

Auf der ständigen Suche nach Gemeinsamkeiten

Die Iren sind ein wahnsinnig freundliches Volk. So probieren sie, beim Kennenlernen immer eine Gemeinsamkeit, möge sie noch so klein sein, zu finden, um sich über diese zu unterhalten. Gerade Dublin ist eine boomende, junge Stadt mit viel Kulturangeboten, aber auch gemütlichen Pubs und guten Clubs. Ein Sonntagnachmittag verbringt man hier nicht bei Kaffee und Kuchen im Wohnzimmer, sondern im Pub. Dort wird bei viel Bier gemeinsam Sport verfolgt. Dabei reicht die Begeisterung von Rugby über Gaelic Football, Hurling bis hin zum Fußball. So verfolgte ich auch Anfang Oktober das EM- Qualifikationsspiel Deutschland gegen Irland. War ich zunächst traurig und enttäuscht vom 0:1, steckte mich schnell die große Freude der Iren über den Überraschungssieg gegen den amtierenden Weltmeister Deutschland an. Auf der grünen Insel sind die 4,5 Millionen Einwohner stolz, Iren zu sein, begrüßen aber gleichzeitig Gäste aus aller Welt mit einer ehrlichen und offenen Herzlichkeit.

„Mich steckte die große Freude der Iren an.“

In meiner Freizeit habe ich mich dem Studentenchor und dem Studentenlaufteam am Trinity College Dublin angeschlossen. So fand ich schnell einen irischen Freundeskreis. In dem Chor haben wir das barocke Oratorium „Messiah“ von Georg Friedrich Händel und das romantische Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy über Monate einstudiert und anschließend in großen Konzerten aufgeführt. Mit dem Trinity Laufteam trainierte ich mehrmals wöchentlich, nahm an landesweiten Universitätswettkämpfen teil und fuhr ins mehrtägige Trainingslager. Der Teamzusammenhalt war besonders ausgeprägt und so verbrachten wir auch unsere Freizeit zusammen. College Partys, Kochabende und unzählige Stunden in Dublins Pubs und Clubs verbinden mich mit diesem Team, auch neben dem Sport.

Gut ausgebautes Bahn- und Busnetz

An den Wochenenden bin ich öfter aus der Stadt herausgefahren und habe das Land bereist. Dabei lernte ich viele schöne Orte in Irland kennen, aber auch die Kultur und Tradition der Iren. Ein riesen Vorteil ist dabei das gut ausgebaute Bahn- und Busnetz, das die 450km lange Insel leicht bereisbar macht.

Ich habe meine Zeit in Irland sehr genossen. Besonders die positive Denkweise und unkomplizierte Art der Iren hat mich geprägt. Dank Ryanair ist die Insel von Deutschland gut zu erreichen. Schaut doch mal nach Flügen, es lohnt sich!

Über die Autorin
Patrizia Pracht (24) studiert derzeit im achten Semester Zahnmedizin an der Philipps-Universität Marburg. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der JU Marburg und der Jungen Union Marburg-Biedenkopf. Zudem engagiert sie sich im Bezirksvorstand der JU Mittelhessen.

 

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