Von Benjamin Brozio, Landesjugendleiter DPolG Hessen

Mein Name ist Benjamin Brozio, ich bin bei der Polizei Hessen beschäftigt. Es war von Anfang an mehr als ein Job; vielmehr eine Berufung. Ein Grund dafür ist auch, dass ich in meiner Region, im Taunus, fest verwurzelt bin. Ich bin im Taunus aufgewachsen, meine Freunde und Familie leben hier.

Traumberuf Polizei
Der Polizeiberuf war schon immer mein Traumberuf, weil ich dort, wie auch in meinem Ehrenamt bei der freiwilligen Feuerwehr, nach dem Motto arbeite: „Wo andere rausgehen, gehen wir rein.“
Ein abwechslungsreicher Beruf, in dem man nie weiß, was als nächstes passiert. Spannende, immer neue Situationen, in denen ich den Menschen helfen kann, wenn sie Hilfe brauchen.
Das macht den Beruf auch so reizvoll. Bei der Polizei Hessen in Bad Homburg kann ich meine Verwurzelung in der Region, meine Freunde , Familie, das Ehrenamt und den Beruf gut miteinander verbinden.

Die DPolG Hessen
Innerhalb der Polizei engagiere ich mich bei der DPolG, der Deutschen Polizei Gewerkschaft und bin hier in Hessen der Landesjugendleiter. Dies ist mir wichtig, weil auch im schönsten Beruf der Welt der Freund und Helfer mal Hilfe braucht, denn der Beruf hat nicht nur seine schönen Seiten, sondern birgt auch, wie Sie sich sicher vorstellen können, einige Gefahren und unschöne Seiten in sich. Diese Gefahren, die vielen ungerechtfertigten Vorwürfe gegen die gesamte Polizei, die Schichtarbeit und die Vielzahl von Überstunden stellen schon eine hohe Belastung dar.

In diesen alltäglichen, aber auch stressigen Situationen kann es vorkommen, dass man Fehler macht. Damit diese Fehler nicht gleich zum kostspieligen Abenteuer werden, haben wir es uns bei der DPolG Hessen zur Aufgabe gemacht, den Kolleginnen und Kollegen zu helfen.

Wir als DPolG Hessen sind eine „Non-profit-Organisation“, die sich in der Diskussion immer bedingungslos vor die Polizei stellt. Das sieht in der öffentlichen Diskussion oftmals anders aus, obwohl 86 Prozent der Bevölkerung der Polizei im Großen und Ganzen ihr Vertrauen schenken. Das wissen wir und erleben es auch tagtäglich. Die vielen positiven Rückmeldungen bestärken uns in unserer Arbeit. Die Schlagzeilen bestimmen leider andere Kreise, die es nicht immer gut mit den Kolleginnen und Kollegen bei der Polizei meinen.

Wir helfen und unterstützen uns. Von der Polizei, für die Polizei.

Die Polizei – ein Spiegel der Gesellschaft?
Die Polizei ist auf keinen Fall ein Spiegel der Gesellschaft. Hier haben junge Frauen und Männer einen Eid auf die Verfassung des Landes geschworen. Es wird also nicht ein einfacher Vertrag unterschrieben. Die Vereidigung ist für uns alle ein besonderer Moment. Im Studium und in der Zeit danach lernen wir viel über Recht und Gesetz und die Bedeutung der Sicherheit für die Bevölkerung.

Alle Kolleginnen und Kollegen, die ich kenne, denken und handeln auch so. Aus diesem Grund fällt es mir auch leicht, mich mit der DPolG Hessen bedingungslos vor unseren Berufsstand zu stellen. Für Polizistinnen und Polizisten gilt der gleiche Grundsatz, wie für alle Bürgerinnen und Bürger. Die Unschuldsvermutung ist für uns das Maß aller Dinge. Den Generalverdacht gegen die Polizei weisen wir deshalb scharf zurück.
Das schließt natürlich nicht aus, dass es auch Einzelfälle gibt, die sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen auf rechtliche Abwege begeben. Dies sind und bleiben Einzelfälle, die unseren Berufsstand in ein schlechtes Bild rücken. Man mag es glauben oder nicht, aber dafür hat auch bei uns niemand Verständnis. In Ermittlungsverfahren gegen die eigenen Kolleginnen und Kollegen geht es härter zu, als gegen Straftäter außerhalb der Polizei.

Gerade mit diesem Wissen sind die teilweise sehr unsachlichen Kommentare und ungerechtfertigten Vorwürfe einiger polizeifeindlicher Kreise nicht nachvollziehbar.

Offene Wünsche
Trotz dieser aktuellen Situation kann ich mir keinen anderen Beruf für mich vorstellen. Einige Wünsche habe ich dennoch für meine Kolleginnen und Kollegen.

Fair play
In einer immer komplexer werdenden Gesellschaft ist ein faires Miteinander für alle Menschen zwingend notwendig. Dies betrifft den Umgang in der Gesellschaft untereinander, gerade auch im Zusammenspiel mit der Polizei. Wir als Polizei halten den Kopf für die Sicherheit und Ordnung in der Gesellschaft hin. In der Phase der Pandemie wurden wir sofort zu der Berufsgruppe der systemrelevanten Berufe erklärt, nur um später als Prellbock einer Corona-müden Gesellschaft zu dienen. Wir setzen Gesetze um, schützen Menschen, die sich vielleicht nicht selbst wehren können und werden dafür von Angehörigen von Menschenrechtsorganisationen angefeindet.

Widersprüchlicher könnte unser Arbeitsumfeld kaum sein.

Wertschätzung
Wertschätzung stellt sich nicht nur in Form einer besseren Bezahlung dar. Wenn jedoch die Bezahlung der Polizei in benachbarten Ländern und des Bundes deutlich besser ist, dann muss sich über Abwanderung niemand wundern. Das treibt einige Bekannte, die regional weniger gebunden sind, in andere Bundesländer. In anderen Bundesländern wurde die Polizeizulage angehoben. Die Aufstiegschancen sehen dort auch teilweise besser aus. Hessen ist im Ländervergleich ein Geberland, schafft es aber nicht, das bei der Besoldung der Beamtinnen und Beamten zu zeigen. Auf diese Art wird auf absehbare Zeit keine Besserung eintreten.

Wir werden als Müll bezeichnet von Menschen, die nur Hass in sich tragen. A.C.A.B. , Bullenschweine und vieles mehr. Wir sind Ziel von Spuckattacken, verbalen und körperlichen Angriffen, die auch ihre Spuren an und in uns hinterlassen. In solchen Situationen werden wir oft mit Handys videografiert, woraus fast immer eine tendenziöse Berichterstattung resultiert.

Das Ziel ist oftmals der politisch Verantwortliche, der im politischen Schlagabtausch durch entgegenstehende Parteien angegriffen wird. Auf diesem Weg schrecken die Kontrahenten nicht vor Polizei-Bashing zurück. Ist der Weg hier wirklich zielführend?

Jede Partei und jeder Mensch benötigen eine sichere Gesellschaft. Aus meiner Sicht erkennen die Parteien nicht, welchen Schaden sie im Kampf um die Deutungshoheit nicht nur dem politischen Gegner, sondern auch der Polizei und damit ebenso der Gesellschaft zufügen.
Die Wertschätzung fehlt.

Der Wunsch
Es bleibt der Wunsch, dass nicht nur staats- oder polizeifeindliche Kreise die Schlagzeilen bestimmen, sondern, dass Politik, Medien, Justiz und Gesellschaft gemeinsam an einer sachlicheren Diskussionskultur arbeiten. Wenn es gelingt, dass Vertreter der Medien und der Politik mit einem Mikrofon bewaffnet in die Fußgängerzonen ziehen und „normale“ Bürgerinnen und Bürger zu Recht und Gesetz, Sicherheit und Ordnung und nicht zuletzt zum Ansehen der Polizei befragen, dann ist der erste Schritt zu einer bürgernahen Politik und medialen Berichterstattung getan.

Es ist auch unnötig zu erwähnen, dass mit einer bevölkerungsnahen Politik und sachlichen Berichterstattung den extremistischen Gruppierungen das Wasser abgegraben wird. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Polizei kann das nicht schaffen. Dafür ist die Polizei nicht da.

Wir geben gerne Denkanstöße und gestalten mit, da wir die Auswirkungen auf der Straße erleben.

Trotz der Widrigkeiten begrüßen wir zu jedem Studienstart unsere neuen Kolleginnen und Kollegen mit den Worten:
„Herzlich willkommen im schönsten Beruf der Welt. Ihr seid ab heute Freund und Helfer für die Menschen in Hessen, Freund und Helfer für die Menschen in Deutschland. Aber auch ein Freund und Helfer braucht mal Hilfe…"

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Daniel P. F. Georgi

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