Es ist die Königsdisziplin unter den Triathleten: 3,8 Kilomenter Schwimmen, 180 Kilomenter Radfahren und dann noch 42,195 Kilomenter Laufen, einen ganzen Marathon. Alles hintereinander.

DIe Langdistanz erfreut sich in Deutschland einer immer größeren Beliebtheit. Ein Grund: Seit 2014 haben ausschließlich Deutsche den legendären IRONMAN auf Hawaii gewonnen. DIe Weltmeisterschaft auf "Big Island" machten der Baden-Württemberger Sebastian Kienle, der aus Köln stammende Jan Frodeno und der Darmstädter Patrick Lange in den letzten Jahren unter sich aus, und ein Ender dieser "deutschen Dominanz" ist - das zeigen jüngste Ergebnisse - vorerst nicht abzusehen.
IRONMAN - das ist auch Phänomen: Wenn sich Menschen freiwillig bis zu 15 Stunden quälen, bis an die körperliche und psychische Leistungsgrenze gehen, manchmal auch darüber hinaus. Der IRONMAN ist inzwischen ein großer Markt zum Geldverdienen für die Veranstalter. Die Organisatoren aladen weltweit zu Rennen über die volle DIstanz ein, die jeweils Altersklassenbesten qualifizieren sich für Hawaii. Das Geschäftskonzept findet immer mehr Anklang: Andere Veranstalter möchten zunehmend ein Stück des großen Kuchens abhaben - mit der Challenge Family und ihrem Aushängeschild im fränkischen Roth hat sich ein ernstzunehmender Konkurrent etabliert.

Was alle Langdistanzen eint, das ist der große Aufwand, den die Athleten auf sich nehmen müssen. Wer bei null anfängt, braucht etwa zwei Jahre Vorbereitungen für einen IRONMAN, erzählt Björn Ulbricht. Der JUler aus Bad Camberg hat Anfang Juli in Frankfurt am Main bei der Europameisterschaft seinen zweiten IRONMAN erfolgreich ins Ziel gebracht. Mit einer Zielzeit von knapp unter zehn Stunden gehört Björn bereits zu den ambitionierten Athleten. Die eigentliche Vorbereitung nimmt etwa zehn Monate in Anspruch, besteht aus langen Radausfahrten von bis zu fünf, sechs Stunden und so genanntem Koppeltraining: Damit trainieren die Triathleten den Übergang zwischen den Distanzen. Eine solche Koppeleinheit sieht bei Björn etwa so aus: 100 Kilometer Radfahren und direkt im Anschluss einen Zehn-Kilometer-Lauf.

Verständnis von Familie und Freunden

Wer sich das erste Mal auf diese lange Distanz traut, sollte neben einem gesunden Körper auch bereit sein, in Ausrüstung zu investieren. Neben Laufausrüstung gehören dazu auch ein Rennrad und ein Neoprenanzug für das Schwimmen, mindestens. Außerdem gehört dazu viel Zeit sowie das Verständnis von Familie und Freunden: Um die zehn Wochenstunden sind in der Vorbereitung normal, trotz 40-Stunden-Arbeitswoche. Björn Ulbricht hat den Vorteil, dass seine Freundin selbst eine engagierte Triathletin ist. Manchmal hilft es aber auch, für die Zeit nach dem IRONMAN der Familie viel Zeit zu versprechen.

Wie übersteht man einen IRONMAN? Ein wesentlicher Teil werde im Kopf entscheiden, sagt Björn Ulbricht. Über kürzere Distanzen trainiert er den Kampf mit sich selbst, holt sich so die notwendige WEttkampfhärte. Wichtig ist es auch, während der Rennen viel Energie zu sich zu nehmen. Dafür gibt es entsprechende GEl-Mischungen, die man vorher im Training ausprobiert, und isotonische Getränke. Leider kommt es immer wieder vor, dass während eines IRONMANs einzelne Athleten nur Wasser zu sich nehmen - ein großer Fehler, der zur sogenannten Wasservergiftung führen kann. Daher raten die Veranstalter dazu, auf Iso-Getränke zu setzen und Wasser lediglich zur Kühlung zu nutzen.

Wer es nach 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und dem abschließenden Marathon geschafft hat, der wird für die vielen Strapazen allerdings auch richtig entschädigt: Die Veranstalter feiern jeden Athleten, der ins Ziel kommt. Jeder hört den Spruch "You are an IRONMAN", jeder bekommt eine große Medaille um den Hals gelegt und eine persönliche Betreuung durch einen Helfer.

Aber natürlich geht das alles auch erst einmal eine Nummer kleiner: Wer IRONMAN-Luft schnappen möchte, kann es auch erst einmal mit der Mitteldistanz, den so genannten 70.3-Rennen, versuchen. Neben einem Halbmarathon sind immerhin noch 90 Kilometer Rad und 1,9 Kilometer Schwimmen zu meistern. Ein guter Eintsieg, um den Angriff auf die große Königsdisziplin zu wagen und dem Phänomen IRONMAN ein Stück weit näher zu kommen.

von Frederic Schneider, LÖWENMAUL-Chefredakteur

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