Vanessa Hinterschuster (19) aus Neuberg studiert Wirtschaftswissenschaften
„Für mich war das Ergebnis, wie sicher für alle, die ein offenes Europa für selbstverständlich hielten, ein Schock und ökonomisch betrachtet durch zahlreich entstandene Risiken nicht nachvollziehbar. Um die Provokation des Nachahmens anderer EU-Staaten zu vermeiden, sollte Großbritannien mit harten Verhandlungen und teuren Handelserleichterungen konfrontiert werden. Berechtigte Kritik an der EU gibt es, weshalb eine Reform der Institution, die politische Handlungsfähigkeit und Staatensouveränität stärkt und Themen wie Außenpolitik, Finanzkrise, Zuwanderungspolitik in den Mittelpunkt stellt, sinnvoll wäre. Die Möglichkeit zur Mitgestaltung und die Mitgliedschaft in einer Gemeinschaft der Zusammenarbeit, die kein bloßes politisches Zweckbündnis ist, bleibt Großbritannien in Zukunft verwehrt.“

Julian Stein (22) aus Kiedrich/Rheingau, Student der Informatik
„Der BREXIT entsprach der Befindlichkeit der Briten, sollte aber nicht als deren Abkehr von Europa gesehen werden. Für die EU ist es ein Schuss vor den Bug. Schon lange wird die EU-Politik von Rechts- und Verfassungsbrüchen dominiert, wie vor allem bei der Euro-Krise oder der Flüchtlingskrise. All dies widerspricht meinem Ideal von einem geeinten und gerechten Europa der Vaterländer. Die Briten nun für ihre Entscheidung zu bestrafen, verstieße gegen alle demokratischen und europäischen Werte. Getreu dem Subsidiaritätsprinzip sollten in Zukunft Entscheidungen dort gefällt werden, wo sie ihre Auswirkungen haben, die meisten also in den Mitgliedstaaten. Die Idee eines europäischen Bundesstaates finde ich so bürgerfern wie abstrus.“

Christopher Jackson (19) aus Usingen, Student an der EBS, hat die deutsche und englische Staatsbürgerschaft und ein Teil seiner Familie wohnt in England
„Für mich ist der BREXIT ein riesen großer Fehler. Und ich fühle mich mit dieser Entscheidung mehr als unwohl. Schade, dass der Populismus der Leave-Kampagne die Leute so beeinflussen konnte. Schon am nächsten Morgen wurden ja Versprechungen der Leave-Kampagne zurückgezogen. Da finde ich es gut, dass dieser „Clown“ Boris Johnson nun als Außenminister mit in der Regierung sitzt und dass alles mit ausbaden muss. Größeren Schaden kann er jetzt jedenfalls nicht mehr anrichten. Es stimmt: Die EU ist ein undurchsichtiges und intransparentes Konstrukt. Aber deswegen muss man nicht gleich für den BREXIT stimmen, wie es auch einige meiner Bekannten getan haben.“

Nicole Polaczek (25) aus Wetzlar hat letztes Jahr als Fremdsprachenassistentin in England gearbeitet
„Schon vor einem Jahr waren meine Oberstufenschüler nicht gut auf die polnischen Gastarbeiter in Großbritannien zu sprechen und ich habe hin und wieder negative Äußerungen über die EU zu hören bekommen. Die Entscheidung zum BREXIT ist für mich ein Schock. Besonders wütend bin ich aber auf die Medien, die erst nach der Entscheidung die Vor- und Nachteile des BREXIT hinreichend in der Öffentlichkeit thematisiert haben. Unverständlich ist für mich, warum so wenige junge Menschen abgestimmt haben. Für die EU wünsche ich mir, dass die Mitgliedsstaaten wieder mehr Macht bekommen, weil hier die Entscheidungen transparenter sind. Die EU ist eine Werte- und Wirtschaftsunion. Darauf sollte sie sich zurückbesinnen.“

Lennart Briehl (18) aus Korbach leistet zurzeit freiwilligen Wehrdienst
„Eigentlich bin ich sauer auf die Briten. Eine solche Entscheidung hätte ich niemals erwartet. Sie haben damit gezeigt, dass sie die europäischen Werte nicht schätzen. Dass bestimmte politische Führungskräfte in Großbritannien die Kampagne zur Selbstdarstellung missbraucht haben und die Briten darauf reingefallen sind, hat mich enttäuscht. Extrawürste sollte es erstmal keine mehr geben. In der Vergangenheit hat es zu viele Zugeständnisse für die Briten gegeben. Allerdings freue ich mich jetzt für den Finanzplatz Frankfurt. Konsequenz aus dem BREXIT muss meiner Meinung nach sein, dass die EU mehr Befugnisse bekommt. Vor allem sollte das EU-Parlament gestärkt werden. Es ist zurzeit viel zu schwach.“

Zusammengestellt von Christoph Ulandowski, Mitglied in der LÖWENMAUL-Redaktion

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